Seminar Dissect – Timeline-Analyse und Ereigniskorrelation

Der Kurs vermittelt den Aufbau belastbarer Timelines aus heterogenen Dissect-Records. Zeitquellen werden fachlich bewertet, normalisiert, gefiltert und mit Benutzer-, Prozess-, Datei-, Netzwerk- und Systemkontext zu nachvollziehbaren Ereignisketten verbunden.

Inhaltsverzeichnis

  1. Untersuchungsfrage und Timeline-Zweck
  2. Zeitquellen und Zeitsemantik
  3. Zeitzone, Sommerzeit und Zeitdrift
  4. Record-Auswahl und Datenvorbereitung
  5. Normalisierung und einheitliches Schema
  6. Fokussierte Timeline
  7. Entitätsbasierte Korrelation
  8. Systemübergreifende Ereignisketten
  9. Hypothesenprüfung und Alternativerklärungen
  10. Visualisierung, Befund und Review

Lernziele

  • Zeitquellen nach Entstehung, Semantik und Beweiswert unterscheiden
  • Zeitzonen, Sommerzeit, Zeitdrift und unvollständige Zeitstempel kontrollieren
  • Record-Streams für fokussierte und systemübergreifende Timelines auswählen
  • Ereignisse anhand gemeinsamer Entitäten und Hypothesen korrelieren
  • Kausalität, zeitliche Nähe und Unsicherheit transparent dokumentieren

Seminarinhalte

1. Untersuchungsfrage und Timeline-Zweck

  1. Schritt 1: Incident-Frage in konkrete zeitbezogene Teilfragen zerlegen.
  2. Schritt 2: Benötigte Granularität, Systeme und relevanten Zeitraum festlegen.
  3. Schritt 3: Volltimeline, fokussierte Timeline und Hypothesentimeline unterscheiden.
  4. Schritt 4: Erfolgskriterien und erwartete Datenlücken vor der Extraktion dokumentieren.

2. Zeitquellen und Zeitsemantik

  1. Schritt 1: Dateisystem-, Log-, Registry-, Anwendungs- und Metadatenzeiten inventarisieren.
  2. Schritt 2: Erzeugungs-, Änderungs-, Zugriffs-, Beobachtungs- und Importzeit voneinander abgrenzen.
  3. Schritt 3: Veränderbarkeit und typische Fehlinterpretationen jeder Zeitquelle bewerten.
  4. Schritt 4: Quellsemantik als eigenes Feld oder Begleitinformation erhalten.

3. Zeitzone, Sommerzeit und Zeitdrift

  1. Schritt 1: Systemzeitzone und relevante historische Einstellungen erfassen.
  2. Schritt 2: UTC- und Lokalzeiten in ein einheitliches Arbeitsmodell überführen.
  3. Schritt 3: Sommerzeitübergänge und doppelte oder fehlende Lokalzeiten erkennen.
  4. Schritt 4: Zeitdrift durch Vergleich unabhängiger Ereignisquellen abschätzen.

4. Record-Auswahl und Datenvorbereitung

  1. Schritt 1: Artefaktgruppen nach direktem Bezug zur Hypothese priorisieren.
  2. Schritt 2: Benötigte Felder für Zeit, Host, Benutzer, Prozess, Datei und Quelle auswählen.
  3. Schritt 3: Ungültige, fehlende oder außerhalb des Zeitfensters liegende Records kennzeichnen.
  4. Schritt 4: Rohrecords vor jeder Transformation unverändert sichern.

5. Normalisierung und einheitliches Schema

  1. Schritt 1: Zeitwerte in eine konsistente Darstellung überführen.
  2. Schritt 2: Host-, Benutzer-, Pfad- und Prozessbezeichner normalisieren.
  3. Schritt 3: Originalwert und normalisierten Wert bei relevanten Änderungen gemeinsam führen.
  4. Schritt 4: Transformationen mit Version und Konfiguration protokollieren.

6. Fokussierte Timeline

  1. Schritt 1: Ankerereignis oder bekannten Indikator als Ausgangspunkt wählen.
  2. Schritt 2: Vor- und Nachlaufzeitraum anhand des Vorfalltyps festlegen.
  3. Schritt 3: Relevante Records sortieren und redundante Darstellung reduzieren.
  4. Schritt 4: Lücken und unerwartete Ereignisdichte für weitere Abfragen markieren.

7. Entitätsbasierte Korrelation

  1. Schritt 1: Gemeinsame Benutzer-, Prozess-, Datei-, Hash- oder Netzwerkbezüge identifizieren.
  2. Schritt 2: Mehrere Ereignisse zu einer nachvollziehbaren Aktivitätskette verbinden.
  3. Schritt 3: Namensgleichheit und tatsächliche Identität durch zusätzliche Felder prüfen.
  4. Schritt 4: Unsichere Zuordnungen mit ihrem Begründungsgrad sichtbar halten.

8. Systemübergreifende Ereignisketten

  1. Schritt 1: Zeitachsen mehrerer Hosts auf eine gemeinsame Referenz normalisieren.
  2. Schritt 2: Remotezugriff, Authentifizierung und Folgeaktivität über Quell- und Zielsysteme verbinden.
  3. Schritt 3: Übertragungs- oder Verzögerungszeiten von Logs berücksichtigen.
  4. Schritt 4: Frühestes beobachtetes Ereignis von tatsächlichem Eintrittspunkt unterscheiden.

9. Hypothesenprüfung und Alternativerklärungen

  1. Schritt 1: Für jede Hypothese erwartete und widersprechende Ereignisse formulieren.
  2. Schritt 2: Timeline gezielt nach bestätigenden und widerlegenden Spuren durchsuchen.
  3. Schritt 3: Administrative oder anwendungsbedingte Alternativerklärungen prüfen.
  4. Schritt 4: Hypothesen nach bestätigt, wahrscheinlich, offen oder verworfen klassifizieren.

10. Visualisierung, Befund und Review

  1. Schritt 1: Timeline auf entscheidungsrelevante Ereignisse und Kontextfelder reduzieren.
  2. Schritt 2: Quellbezug, Unsicherheit und Datenlücken in der Darstellung erhalten.
  3. Schritt 3: Kritische Sequenzen durch zweite Abfrage oder Quellartefakt gegenprüfen.
  4. Schritt 4: Ereigniskette mit Befundtext und reproduzierbaren Filtern abschließen.

Praxisübungen

  • Bewertung unterschiedlicher Zeitquellen und ihrer Semantik
  • Normalisierung eines gemischten Record-Satzes mit Zeitzonen- und Driftproblemen
  • Aufbau einer fokussierten Hosttimeline um ein Ankerereignis
  • Rekonstruktion einer systemübergreifenden Ereigniskette mit Alternativerklärung

Zielgruppe

DFIR-Analysten, Incident Responder, SOC-Analysten und Threat Hunter mit Bedarf an belastbarer Ereigniskorrelation

Voraussetzungen

Grundlagen digitaler Forensik, praktische Erfahrung mit strukturierten Artefaktausgaben und grundlegende Dissect-Kenntnisse

Fachbereichsleitung und Seminarorganisation

Seminardetails

   
Dauer: 2 Tage ca. 6 h/Tag, Beginn 1. Tag: 10:00 Uhr, weitere Tage 09:00 Uhr
Preis: Öffentlich oder Live Stream: € 1.198 zzgl. MwSt.
Inhaus: € 3.400 zzgl. MwSt.
Teilnehmeranzahl: min. 2 - max. 8
Teilnehmer: DFIR-Analysten, Incident Responder, SOC-Analysten und Threat Hunter mit Bedarf an belastbarer Ereigniskorrelation
Voraussetzungen: Grundlagen digitaler Forensik, praktische Erfahrung mit strukturierten Artefaktausgaben und grundlegende Dissect-Kenntnisse
Standorte: Stream Live, Inhaus/Firmenseminar, Berlin, Bremen, Darmstadt, Dresden, Erfurt, Essen, Flensburg, Frankfurt, Freiburg, Friedrichshafen, Hamburg, Hamm, Hannover, Jena, Kassel, Köln, Konstanz, Leipzig, Luxemburg, Magdeburg, Mainz, München, Münster, Nürnberg, Paderborn, Potsdam, Regensburg, Rostock, Stuttgart, Trier, Ulm, Wuppertal, Würzburg
Methoden: Vortrag, Demonstrationen, angeleitete Analysen und praktische Übungen am System
Seminararten: Öffentlich, Webinar, Inhaus, Workshop - Alle Seminare mit Trainer vor Ort, Webinar nur wenn ausdrücklich gewünscht
Durchführungsgarantie: ja, ab 2 Teilnehmern
Sprache: Deutsch - bei Firmenseminaren ist auch Englisch möglich
Seminarunterlage: Dokumentation auf Datenträger oder als Download
Teilnahmezertifikat: ja, selbstverständlich
Verpflegung: Kalt- / Warmgetränke, Mittagessen (wahlweise vegetarisch)
Support: 3 Anrufe im Seminarpreis enthalten
Barrierefreier Zugang: an den meisten Standorten verfügbar
  Weitere Informationen unter + 49 (221) 74740055

Seminartermine

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