Die Fallwerkstatt bildet einen vollständigen, mehrstufigen DFIR-Fall ab. Ausgehend von einer unvollständigen Erstmeldung werden Beweismittel strukturiert, Targets priorisiert, Artefakte analysiert, Hypothesen geprüft, Ereignisse korreliert und technische Befunde in einer nachvollziehbaren Falldokumentation zusammengeführt.
Inhaltsverzeichnis
- Auftrag, Lagebild und Untersuchungsfragen
- Beweismittelannahme und Fallstruktur
- Ersttriage und Systeminventar
- Windows- und Identitätsanalyse
- Linux-, Dienst- und Infrastrukturspuren
- Timeline und Ereigniskorrelation
- IOC-, YARA- und Anomalieprüfung
- Befundprüfung und Peer Review
- Technische Übergabe und Maßnahmenplanung
Lernziele
- Einen vollständigen Untersuchungsfall von der Erstmeldung bis zur technischen Übergabe bearbeiten
- Dissect-Werkzeuge entlang einer belastbaren Beweis- und Hypothesenkette auswählen
- Windows-, Linux-, Identitäts- und Virtualisierungsartefakte gemeinsam bewerten
- Fehlannahmen, Datenlücken und alternative Erklärungen methodisch behandeln
- Reproduzierbare Befunde mit klaren Prioritäten und Nachweisen erstellen
Seminarinhalte
1. Auftrag, Lagebild und Untersuchungsfragen
- Schritt 1: Erstmeldung, technische Indikatoren und betriebliche Auswirkungen in bestätigte Fakten und Annahmen trennen.
- Schritt 2: Konkrete Untersuchungsfragen zu Eintritt, Persistenz, Ausbreitung und Datenzugriff formulieren.
- Schritt 3: Beweismittelbedarf, Prioritäten und Abbruchkriterien definieren.
- Schritt 4: Eine Fallchronik mit Entscheidungen, Datenständen und offenen Punkten beginnen.
2. Beweismittelannahme und Fallstruktur
- Schritt 1: Images, Acquire-Container, Logsammlungen und virtuelle Maschinen inventarisieren.
- Schritt 2: Prüfsummen, Dateigrößen, Zeitbezüge und Herkunftsdaten kontrollieren.
- Schritt 3: Rohdaten, Targets, Hostausgaben, Exporte und Notizen getrennt ablegen.
- Schritt 4: Unvollständige oder widersprüchliche Beweismittel sichtbar kennzeichnen.
3. Ersttriage und Systeminventar
- Schritt 1: Basisinformationen aller Targets mit einem konsistenten Abfragesatz erfassen.
- Schritt 2: Systeme nach Rolle, Kritikalität und beobachteten Indikatoren gruppieren.
- Schritt 3: Schnelle Persistenz-, Benutzer-, Netzwerk- und Logprüfungen durchführen.
- Schritt 4: Vertiefungskandidaten und erforderliche Nachforderungen priorisieren.
4. Windows- und Identitätsanalyse
- Schritt 1: Registry, Eventlogs, Ausführungsartefakte und Benutzeraktivitäten gezielt abfragen.
- Schritt 2: Verdächtige Dienste, Aufgaben, Runkeys und Anmeldungen in eine Hosttimeline überführen.
- Schritt 3: Domänenobjekte und Identitätsereignisse mit Endpunktbefunden korrelieren.
- Schritt 4: Kontomissbrauch, Persistenz und mögliche laterale Bewegung als überprüfbare Hypothesen formulieren.
5. Linux-, Dienst- und Infrastrukturspuren
- Schritt 1: Authentifizierungs-, Audit-, Journal- und Paketdaten untersuchen.
- Schritt 2: Shell-Historien, Cronjobs, Dienste, Netzwerk- und Webserverartefakte korrelieren.
- Schritt 3: Virtuelle Datenträger und Child Targets auf zusätzliche betroffene Systeme prüfen.
- Schritt 4: Systemübergreifende Übergänge anhand von Zeit, Konto, Netzwerkziel und Dateiindikator bewerten.
6. Timeline und Ereigniskorrelation
- Schritt 1: Relevante Record-Streams aus mehreren Quellen normalisieren.
- Schritt 2: Zeitzonen, Zeitdrift und unterschiedliche Zeitsemantiken kontrollieren.
- Schritt 3: Eine fokussierte Ereignisfolge vom ersten Hinweis bis zur bestätigten Aktivität aufbauen.
- Schritt 4: Kausalität, Gleichzeitigkeit und bloße zeitliche Nähe voneinander trennen.
7. IOC-, YARA- und Anomalieprüfung
- Schritt 1: Bekannte Indikatoren in reproduzierbare Dateisystem- und Artefaktabfragen übersetzen.
- Schritt 2: YARA- und Metadatensuchen zunächst auf priorisierten Targets testen.
- Schritt 3: Seltene Werte und Baseline-Abweichungen als zusätzliche Hypothesen bewerten.
- Schritt 4: Treffer mit Quellartefakten sichern und Fehlalarme nachvollziehbar verwerfen.
8. Befundprüfung und Peer Review
- Schritt 1: Jeden Befund mit Quelle, Abfrage, Filter, Zeitbezug und Interpretation dokumentieren.
- Schritt 2: Ein zweites Analyseteam kritische Befundketten reproduzieren lassen.
- Schritt 3: Widersprüche, Datenlücken und konkurrierende Erklärungen offen behandeln.
- Schritt 4: Bestätigungsgrad und verbleibendes Risiko pro Hypothese festlegen.
9. Technische Übergabe und Maßnahmenplanung
- Schritt 1: Betroffene Systeme, Identitäten und Zeiträume in einer klaren Befundmatrix zusammenfassen.
- Schritt 2: Sofortmaßnahmen, vertiefte Erhebung und längerfristige Prüfungen nach Dringlichkeit ordnen.
- Schritt 3: Forensische Artefakte und exportierte Daten für Folgeanalysen geordnet bereitstellen.
- Schritt 4: Fallverzeichnis, Runbooks und Ergebnisstände revisionsfähig abschließen.
Praxisübungen
- Bearbeitung eines mehrtägigen Falls mit Windows-, Linux-, AD- und Virtualisierungsdaten
- Teamorientierte Triage, Hypothesenbildung und Aufgabenverteilung unter Zeitdruck
- Rekonstruktion einer vollständigen Ereigniskette mit Gegenprüfung alternativer Erklärungen
- Peer Review, Befundmatrix und priorisierte technische Übergabe an ein fiktives Einsatzteam
Zielgruppe
Erfahrene DFIR-Analysten, Incident Responder, SOC-Spezialisten und technische Fallleiter
Voraussetzungen
Praktische Dissect-Erfahrung mit target-query, rdump und mindestens einem Betriebssystemtrack sowie sichere Grundlagen der Incident-Response-Methodik
Fachbereichsleitung und Seminarorganisation
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Lucas Beich
Telefon: + 49 (221) 74740055
E-Mail: lucas.beich@seminar-experts.de -

Paul Goldschmidt
Telefon: + 49 (221) 74740055
E-Mail: paul.goldschmidt@seminar-experts.de
Seminardetails
| Dauer: | 4 Tage ca. 6 h/Tag, Beginn 1. Tag: 10:00 Uhr, weitere Tage 09:00 Uhr |
| Preis: |
Öffentlich oder Live Stream: € 2.396 zzgl. MwSt. Inhaus: € 6.800 zzgl. MwSt. |
| Teilnehmeranzahl: | min. 2 - max. 8 |
| Teilnehmer: | Erfahrene DFIR-Analysten, Incident Responder, SOC-Spezialisten und technische Fallleiter |
| Voraussetzungen: | Praktische Dissect-Erfahrung mit target-query, rdump und mindestens einem Betriebssystemtrack sowie sichere Grundlagen der Incident-Response-Methodik |
| Standorte: | Stream Live, Inhaus/Firmenseminar, Berlin, Bremen, Darmstadt, Dresden, Erfurt, Essen, Flensburg, Frankfurt, Freiburg, Friedrichshafen, Hamburg, Hamm, Hannover, Jena, Kassel, Köln, Konstanz, Leipzig, Luxemburg, Magdeburg, Mainz, München, Münster, Nürnberg, Paderborn, Potsdam, Regensburg, Rostock, Stuttgart, Trier, Ulm, Wuppertal, Würzburg |
| Methoden: | Vortrag, Demonstrationen, angeleitete Analysen und praktische Übungen am System |
| Seminararten: | Öffentlich, Webinar, Inhaus, Workshop - Alle Seminare mit Trainer vor Ort, Webinar nur wenn ausdrücklich gewünscht |
| Durchführungsgarantie: | ja, ab 2 Teilnehmern |
| Sprache: | Deutsch - bei Firmenseminaren ist auch Englisch möglich |
| Seminarunterlage: | Dokumentation auf Datenträger oder als Download |
| Teilnahmezertifikat: | ja, selbstverständlich |
| Verpflegung: | Kalt- / Warmgetränke, Mittagessen (wahlweise vegetarisch) |
| Support: | 3 Anrufe im Seminarpreis enthalten |
| Barrierefreier Zugang: | an den meisten Standorten verfügbar |
| Weitere Informationen unter + 49 (221) 74740055 |
Seminartermine
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