Schwerpunkt und Nutzen
Große KNX-Projekte benötigen eine Architektur, die technische Skalierung und organisatorische Arbeitsteilung gleichzeitig beherrscht. Gebäude, Bauabschnitte, Linien, IP-Backbone, Gruppenadressen, Produktdaten, Funktionslisten und Prüfstände müssen nach gemeinsamen Regeln entstehen.
Über vier Tage wird ein mehrteiliger Zweckbau vollständig projektiert. Wiederkehrende Raumtypen, technische Zentralen und angebundene Gewerke werden in Arbeitspakete überführt. Projektqualität, Änderungskontrolle und Abnahme sind von Beginn an Bestandteil der Projektierung und nicht erst nach Abschluss der Parametrierung.
Inhaltsübersicht
- Schwerpunkt und Nutzen
- Lernziele
- Schrittweise Seminarinhalte
- Tag 1: Anforderungen und Projektarchitektur
- Tag 2: Topologie und Kommunikationskonzept
- Tag 3: Funktionspakete und Wiederverwendung
- Tag 4: Qualität, Änderung und Projektabnahme
- Praxisaufgaben
- Zielgruppe und Voraussetzungen
- Didaktik und Arbeitsweise
Lernziele
- Skalierbare Projekt- und Topologiestrukturen für große Gebäude entwickeln
- Funktionslisten, Kanäle und Gruppenadressen konsistent miteinander verbinden
- Wiederverwendbare Raum- und Funktionsmuster kontrolliert einsetzen
- IP-Backbone, Koppler und Filterung passend zur Anlagenstruktur planen
- Arbeitspakete, Status und Änderungen für mehrere Projektbeteiligte steuern
- Projektqualität durch Berichte, Testfälle und Freigabepunkte nachweisen
Schrittweise Seminarinhalte
Jeder Themenblock folgt derselben Arbeitslogik: Ausgangslage und Sollverhalten festlegen, relevante ETS6- und Anlagenobjekte modellieren, Konfiguration schrittweise umsetzen, Funktion mit Positiv- und Negativfällen prüfen und den technischen Prüfbefund dokumentieren.
Tag 1: Anforderungen und Projektarchitektur
- Schritt 1: KNX-Einsatzfelder und Systemgrenzen Typische Aufgaben in Wohn-, Zweck- und Industriegebäuden werden nach Gewerken, Schutzbedarf und Verfügbarkeitsanforderungen geordnet. Danach wird entschieden, welche Funktionen dezentral im KNX-System, in übergeordneten Managementsystemen oder in angebundenen Fachsystemen liegen sollen; die Abgrenzung wird als belastbares Funktionsmodell dokumentiert.
- Schritt 2: Architektur für große KNX-Projekte Nutzungsbereiche, technische Zentralen, Bauabschnitte und Erweiterungsreserven werden in eine skalierbare Projektarchitektur übersetzt. Anzahl der Teilnehmer, Telegrammlast, IP-Struktur, Verantwortlichkeiten und spätere Betriebsorganisation bestimmen die Aufteilung in Teilprojekte, Linien und Funktionspakete.
- Schritt 3: Gebäude-, Funktions- und Nutzungsstruktur in ETS6 Ein Mustergebäude wird in Etagen, Räume, Verteilungen, Gewerke und wiederkehrende Funktionsbereiche gegliedert. Die Struktur wird so aufgebaut, dass Projektierung, Inbetriebnahme, Fehlersuche und spätere Änderungen dieselben Bezeichnungen und Suchwege verwenden; Namensregeln und Verantwortungsgrenzen werden unmittelbar festgelegt.
- Schritt 4: Projektworkflow und Arbeitspakete Anforderungen werden in klar abgegrenzte ETS6-Arbeitspakete für Gebäude, Topologie, Geräte, Funktionen, Tests und Dokumentation überführt. Statuskennzeichen, Verantwortlichkeiten und Freigabepunkte schaffen einen nachvollziehbaren Ablauf, der auch bei mehreren Projektbeteiligten konsistent bleibt.
Tagesprüfung: Die am 1. Seminartag erstellten Konfigurationen und Unterlagen werden gegen definierte Sollwerte, Telegramme, Zustände und Dokumentationsanforderungen geprüft. Offene Abweichungen werden vor dem nächsten Themenblock eindeutig klassifiziert.
Tag 2: Topologie und Kommunikationskonzept
- Schritt 1: Komplexe und verteilte Topologien Mehrere Gebäudeteile, Technikzentralen, Außenbereiche und IP-Backbones werden zu einer skalierbaren Gesamtstruktur verbunden. Varianten mit Linienkopplern, Bereichskopplern und IP-Routern werden verglichen; Filterung, Ausfallszenarien, Wartungszugänge und Reservekapazitäten fließen in die Entscheidung ein.
- Schritt 2: IP-Grundlagen für KNX Adressierung, Subnetze, Gateways, VLANs, Ports und grundlegende Paketwege werden auf den KNX-IP-Einsatz zugeschnitten. Ein Netzplan verbindet IT- und KNX-Sicht; Erreichbarkeit, Namenskonzept und Verantwortungsgrenzen werden geprüft, bevor Tunneling oder Routing eingerichtet wird.
- Schritt 3: Gruppenadresskonzept und Benennungsstandard Eine dreistufige Gruppenadressstruktur wird aus Gebäude, Gewerk und Funktion entwickelt und gegen alternative Schemata bewertet. Schreib-, Rückmelde-, Status-, Zentral- und Alarmobjekte erhalten eindeutige Namen; Reserven, Wiederverwendbarkeit und Importmöglichkeiten werden berücksichtigt, bevor die Struktur im Projekt ausgerollt wird.
- Schritt 4: Datenpunkttypen, Kommunikationsobjekte und Flags Kommunikationsobjekte werden passenden Datenpunkttypen zugeordnet und hinsichtlich Richtung, Einheit, Wertebereich sowie Statusverhalten geprüft. Kommunikations-, Schreib-, Lese-, Übertragungs- und Aktualisierungsflags werden bewusst gesetzt; fehlerhafte Kombinationen werden im Busmonitor sichtbar gemacht und korrigiert.
Tagesprüfung: Die am 2. Seminartag erstellten Konfigurationen und Unterlagen werden gegen definierte Sollwerte, Telegramme, Zustände und Dokumentationsanforderungen geprüft. Offene Abweichungen werden vor dem nächsten Themenblock eindeutig klassifiziert.
Tag 3: Funktionspakete und Wiederverwendung
- Schritt 1: Funktionslisten und Kanalzuordnung Aus Raum- und Anlagenfunktionslisten werden konkrete Sensor-, Aktor- und Logikkanäle abgeleitet. Jede Zuordnung enthält Gerät, Kanal, Datenpunkttyp, Gruppenadressen, Rückmeldung, Abhängigkeiten und Prüffall; dadurch bleiben Massendaten auch bei Änderungen kontrollierbar.
- Schritt 2: Geräteparameter, Kanäle und Funktionsabhängigkeiten Sensor- und Aktorkanäle werden von der Grundfunktion bis zu Sperren, Prioritäten, Rückmeldungen und Verhalten nach Busspannungswiederkehr parametriert. Abhängigkeiten zwischen Parametern werden nachvollzogen, in einer Prüfliste festgehalten und mit einem reproduzierbaren Sollverhalten verbunden.
- Schritt 3: Wiederverwendbare Raum- und Funktionsmuster Wiederkehrende Räume und Anlagenfunktionen werden als geprüfte Muster mit Namensregeln, Adressbereichen, Parametern und Tests beschrieben. Das Muster wird kopiert, an eine Variante angepasst und anschließend gegen unbeabsichtigte Verknüpfungen oder übernommene Sonderwerte kontrolliert.
- Schritt 4: Teamarbeit, Übergaben und Bearbeitungsschutz Rollen für Planung, Parametrierung, Inbetriebnahme, Prüfung und Freigabe werden voneinander abgegrenzt. Übergabepakete enthalten Projektstand, offene Punkte, verwendete Produktdaten, Änderungsjournal und nächste Prüfschritte; parallele Bearbeitung wird durch klare Sperr- und Zusammenführungsregeln beherrscht.
Tagesprüfung: Die am 3. Seminartag erstellten Konfigurationen und Unterlagen werden gegen definierte Sollwerte, Telegramme, Zustände und Dokumentationsanforderungen geprüft. Offene Abweichungen werden vor dem nächsten Themenblock eindeutig klassifiziert.
Tag 4: Qualität, Änderung und Projektabnahme
- Schritt 1: Kennzeichnungen, Status und Projektqualität Geräte, Funktionen und Arbeitspakete erhalten einheitliche Kennzeichnungen für Bearbeitungsstand, Prüfung und Freigabe. Unvollständige Objekte, provisorische Adressen und offene Abweichungen werden sichtbar gemacht, damit ein Projekt nicht allein aufgrund eines erfolgreichen Downloads als fertig gilt.
- Schritt 2: Änderungssteuerung im laufenden Projekt Änderungsanforderungen werden nach Ursache, betroffenen Funktionen, Risiko und Termin eingeordnet. Vor Umsetzung entstehen Sicherungsstand und Testplan; nach Umsetzung folgen Funktionsprüfung, Dokumentationsaktualisierung und Freigabe, sodass spontane Baustellenänderungen nicht zu unbekannten Projektständen führen.
- Schritt 3: ETS6-Berichte und technische Nachweise Projekt-, Topologie-, Geräte-, Parameter- und Gruppenadressinformationen werden zu einem konsistenten Dokumentationspaket zusammengestellt. Berichte werden auf Verständlichkeit, Versionsstand und Übereinstimmung mit der realen Anlage geprüft, bevor sie für Abnahme, Betrieb oder spätere Erweiterung freigegeben werden.
- Schritt 4: Funktionsprüfung und technische Abnahme Aus der Funktionsbeschreibung entsteht eine Testmatrix mit Vorbedingungen, Auslöser, erwarteten Telegrammen, sichtbarer Reaktion und Akzeptanzkriterium. Abweichungen werden klassifiziert, nachgebessert und erneut geprüft; erst vollständige Nachweise führen zur Freigabe des jeweiligen Funktionspakets.
Tagesprüfung: Die am 4. Seminartag erstellten Konfigurationen und Unterlagen werden gegen definierte Sollwerte, Telegramme, Zustände und Dokumentationsanforderungen geprüft. Offene Abweichungen werden vor dem nächsten Themenblock eindeutig klassifiziert.
Praxisaufgaben
- Übung 1: Ein Gebäude mit mehreren Bauabschnitten in Bereiche, Linien und Arbeitspakete gliedern. Die Bearbeitung umfasst Bestandsaufnahme, Zieldefinition, kontrollierte Umsetzung, Funktionsprüfung, Fehlerkorrektur und dokumentierte Wiederholungsprüfung.
- Übung 2: Ein Gruppenadresskonzept mit Reserven, Namensstandard und Zentralfunktionen entwickeln. Die Bearbeitung umfasst Bestandsaufnahme, Zieldefinition, kontrollierte Umsetzung, Funktionsprüfung, Fehlerkorrektur und dokumentierte Wiederholungsprüfung.
- Übung 3: Einen geprüften Raumtyp kopieren, variieren und auf übernommene Sonderwerte kontrollieren. Die Bearbeitung umfasst Bestandsaufnahme, Zieldefinition, kontrollierte Umsetzung, Funktionsprüfung, Fehlerkorrektur und dokumentierte Wiederholungsprüfung.
- Übung 4: Eine Änderungsanforderung mit Sicherungsstand, Auswirkungsanalyse und Nachtest bearbeiten. Die Bearbeitung umfasst Bestandsaufnahme, Zieldefinition, kontrollierte Umsetzung, Funktionsprüfung, Fehlerkorrektur und dokumentierte Wiederholungsprüfung.
- Übung 5: Ein freigabefähiges Projektpaket mit Berichten, Prüffällen und offenen Punkten erstellen. Die Bearbeitung umfasst Bestandsaufnahme, Zieldefinition, kontrollierte Umsetzung, Funktionsprüfung, Fehlerkorrektur und dokumentierte Wiederholungsprüfung.
Zielgruppe und Voraussetzungen
Zielgruppe: Erfahrene KNX-Systemintegratoren, Planungsbüros, technische Projektleitung, leitende Inbetriebnahme, Generalunternehmer und Verantwortliche für große oder verteilte Gebäudeautomationsprojekte.
Voraussetzungen: Sichere praktische Kenntnisse in ETS6, Topologie, Gruppenadressen, Datenpunkttypen und Inbetriebnahme. Erfahrungen mit mindestens einem mittleren KNX-Projekt werden vorausgesetzt.
Didaktik und Arbeitsweise
Kurze Fachimpulse werden unmittelbar durch ETS6-Demonstrationen, strukturierte Laboraufgaben und kontrollierte Fehlerfälle vertieft. Für jede Übung werden Ausgangsstand, Prüfkriterien und Dokumentationspflicht vorgegeben. Änderungen erfolgen einzeln und nachvollziehbar; eine Korrektur gilt erst nach Wiederholung des ursprünglichen Tests als bestätigt.
Fachbereichsleitung und Trainerteam
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Lucas Beich
Telefon: + 49 (221) 74740055
E-Mail: lucas.beich@seminar-experts.de
Seminardetails
| Dauer: | 4 Tage ca. 6 h/Tag, Beginn 1. Tag: 10:00 Uhr, weitere Tage 09:00 Uhr |
| Preis: |
Öffentlich oder Live Stream: € 2.396 zzgl. MwSt. Inhaus: € 6.800 zzgl. MwSt. |
| Teilnehmeranzahl: | min. 2 - max. 8 |
| Teilnehmer: | Erfahrene KNX-Systemintegratoren, Planungsbüros, technische Projektleitung, leitende Inbetriebnahme, Generalunternehmer und Verantwortliche für große oder verteilte Gebäudeautomationsprojekte. |
| Voraussetzungen: | Sichere praktische Kenntnisse in ETS6, Topologie, Gruppenadressen, Datenpunkttypen und Inbetriebnahme. Erfahrungen mit mindestens einem mittleren KNX-Projekt werden vorausgesetzt. |
| Standorte: | Stream Live, Inhaus/Firmenseminar, Berlin, Bremen, Darmstadt, Dresden, Erfurt, Essen, Flensburg, Frankfurt, Freiburg, Friedrichshafen, Hamburg, Hamm, Hannover, Jena, Kassel, Köln, Konstanz, Leipzig, Luxemburg, Magdeburg, Mainz, München, Münster, Nürnberg, Paderborn, Potsdam, Regensburg, Rostock, Stuttgart, Trier, Ulm, Wuppertal, Würzburg |
| Methoden: | Vortrag, Demonstrationen, strukturierte ETS6- und Laborübungen, kontrollierte Fehlerfälle und technische Prüflisten |
| Seminararten: | Öffentlich, Webinar, Inhouse, Workshop - Alle Seminare mit Trainer vor Ort, Webinar nur wenn ausdrücklich gewünscht |
| Durchführungsgarantie: | ja, ab 2 Teilnehmern |
| Sprache: | Deutsch - bei Firmenseminaren ist auch Englisch möglich |
| Seminarunterlage: | Dokumentation auf Datenträger oder als Download |
| Teilnahmezertifikat: | ja, selbstverständlich |
| Verpflegung: | Kalt- / Warmgetränke, Mittagessen (wahlweise vegetarisch) |
| Support: | 3 Anrufe im Seminarpreis enthalten |
| Barrierefreier Zugang: | an den meisten Standorten verfügbar |
| Weitere Informationen unter + 49 (221) 74740055 |
Seminartermine
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