Seminar ETS6 – Diagnose, Busmonitor und systematische Fehlersuche

Schwerpunkt und Nutzen

Fehler in KNX-Anlagen entstehen häufig an mehreren Ebenen gleichzeitig: Verdrahtung, Schnittstelle, Topologie, Adressierung, Parametrierung, Datenpunkttyp oder Filterung. Eine wirksame Diagnose trennt diese Ebenen und ersetzt spontane Änderungen durch reproduzierbare Prüfschritte.

An einem vorbereiteten Laborprojekt werden typische Störungen gezielt erzeugt. Gruppenmonitor, Busmonitor, Geräteinformationen, Kopplerprüfung und IP-Diagnose werden zu einem einheitlichen Ablauf verbunden. Jede Korrektur muss durch denselben Test nachgewiesen und in einem Störungsprotokoll festgehalten werden.

Inhaltsübersicht

  • Schwerpunkt und Nutzen
  • Lernziele
  • Schrittweise Seminarinhalte
  • Tag 1: Diagnosebasis und Telegrammanalyse
  • Tag 2: Topologie-, Filter- und Gerätefehler
  • Tag 3: IP-, Secure- und Abnahmenachweise
  • Praxisaufgaben
  • Zielgruppe und Voraussetzungen
  • Didaktik und Arbeitsweise

Lernziele

  • Diagnosewerkzeuge von ETS6 zielgerichtet auswählen und konfigurieren
  • Telegramme nach Quelle, Ziel, Wert, Wiederholung und Bestätigung auswerten
  • Fehler systematisch zwischen Bus, Projekt, Gerät und Netzwerk eingrenzen
  • Filter- und Topologieprobleme anhand reproduzierbarer Tests erkennen
  • Sichere und unsichere Kommunikation in der Diagnose unterscheiden
  • Störungsbehebung mit Ursache, Nachweis und Präventionsmaßnahme dokumentieren

Schrittweise Seminarinhalte

Jeder Themenblock folgt derselben Arbeitslogik: Ausgangslage und Sollverhalten festlegen, relevante ETS6- und Anlagenobjekte modellieren, Konfiguration schrittweise umsetzen, Funktion mit Positiv- und Negativfällen prüfen und den technischen Prüfbefund dokumentieren.

Tag 1: Diagnosebasis und Telegrammanalyse

  1. Schritt 1: Schnittstellen, Verbindungsauswahl und Buszugang USB-, IP-Tunneling- und lokale Schnittstellen werden im ETS6-Verbindungsmanager eingerichtet, benannt und priorisiert. Erreichbarkeit, individuelle Adresse, Buszugriff und mögliche Parallelverbindungen werden geprüft; anschließend entsteht ein Standard für Baustelle, Servicezugang und Fernwartungsumgebung.
  2. Schritt 2: Gruppenmonitor, Busmonitor und Filter Gruppenmonitor und Busmonitor werden für unterschiedliche Diagnoseziele eingesetzt und mit Zeit-, Adress- sowie Ereignisfiltern kombiniert. Telegramme werden nach Quelle, Ziel, Datenpunkttyp, Wert, Wiederholung und Bestätigung bewertet; relevante Ausschnitte werden als Diagnosebeleg gesichert.
  3. Schritt 3: Telegrammaufbau und Kommunikationsprinzip Quelladresse, Zieladresse, Nutzdaten, Priorität, Bestätigung und Wiederholung werden an realen Telegrammen nachvollzogen. Aus dem Telegrammfluss wird abgeleitet, wie Sensoren, Aktoren und Systemgeräte zusammenarbeiten und welche Beobachtungen bei Überlast, falscher Adressierung oder fehlender Rückmeldung entstehen.
  4. Schritt 4: Systematische Fehlereingrenzung Die Fehlersuche folgt einer festen Reihenfolge von Symptom, Sollfunktion, physischer Erreichbarkeit, Adressierung, Parametrierung, Gruppenkommunikation und beteiligten Systemgrenzen. Für jeden Prüfschritt werden erwartete Beobachtung, Messwerkzeug und Entscheidungskriterium festgelegt, sodass Vermutungen durch reproduzierbare Nachweise ersetzt werden.

Tagesprüfung: Die am 1. Seminartag erstellten Konfigurationen und Unterlagen werden gegen definierte Sollwerte, Telegramme, Zustände und Dokumentationsanforderungen geprüft. Offene Abweichungen werden vor dem nächsten Themenblock eindeutig klassifiziert.

Tag 2: Topologie-, Filter- und Gerätefehler

  1. Schritt 1: Bereiche, Linien, Segmente und Koppler Aus Teilnehmerzahl, Telegrammlast, Leitungslängen und räumlicher Verteilung wird eine passende KNX-Topologie entwickelt. Bereiche, Hauptlinien, Linien, Segmente und Koppler werden in ETS6 angelegt, mit physikalischen Adressen versehen und auf Kapazität, Erweiterbarkeit sowie eindeutige Zuständigkeiten geprüft.
  2. Schritt 2: Kopplerparameter und Filtertabellen Filtertabellen werden aus den Kommunikationsbeziehungen abgeleitet und anschließend gezielt kontrolliert. Durch definierte Positiv- und Negativtests wird geprüft, ob Gruppenkommunikation nur die vorgesehenen Liniengrenzen überschreitet und ob Diagnose-, Management- und Sicherheitsfunktionen weiterhin erreichbar bleiben.
  3. Schritt 3: Physikalische Adressen und Programmiermodus Geräte werden anhand ihrer Einbauorte identifiziert, in den Programmiermodus versetzt und mit der geplanten physikalischen Adresse versehen. Doppelte Adressen, vertauschte Geräte und nicht erreichbare Teilnehmer werden mit einer festen Prüfreihenfolge erkannt und in einer Inbetriebnahmeliste dokumentiert.
  4. Schritt 4: Kontrollierte Fehlerfälle und Negativtests Typische Fehler wie falsche Gruppenadresse, ungeeigneter Datenpunkttyp, blockiertes Filter, doppelte physikalische Adresse oder fehlende Rückmeldung werden gezielt eingebaut. Die Diagnose wird unter Zeitdruck wiederholt; Ursache, Korrektur, Wirksamkeitsprüfung und Präventionsmaßnahme werden in einem einheitlichen Störungsprotokoll festgehalten.

Tagesprüfung: Die am 2. Seminartag erstellten Konfigurationen und Unterlagen werden gegen definierte Sollwerte, Telegramme, Zustände und Dokumentationsanforderungen geprüft. Offene Abweichungen werden vor dem nächsten Themenblock eindeutig klassifiziert.

Tag 3: IP-, Secure- und Abnahmenachweise

  1. Schritt 1: Diagnose von KNX-IP-Verbindungen Erreichbarkeit, Tunnelstatus, Routing, Latenz und Paketverlust werden mit einer festen Prüfkette bewertet. Änderungen an Switch, VLAN, Firewall oder Router werden nur nach Sicherung des Ausgangszustands vorgenommen; jedes Ergebnis wird sowohl auf IP- als auch auf KNX-Ebene bestätigt.
  2. Schritt 2: Sicherer Betrieb, Gerätewechsel und Störungsfall Regelprozesse für Projektzugriff, Schlüsselaufbewahrung, Sicherung, Personalwechsel und Austausch defekter Geräte werden festgelegt. Ein Störungsfall mit nicht erreichbarem Secure-Teilnehmer wird analysiert; Wiederherstellung und Nachweis erfolgen ohne unkontrollierte Deaktivierung von Schutzfunktionen.
  3. Schritt 3: ETS6-Berichte und technische Nachweise Projekt-, Topologie-, Geräte-, Parameter- und Gruppenadressinformationen werden zu einem konsistenten Dokumentationspaket zusammengestellt. Berichte werden auf Verständlichkeit, Versionsstand und Übereinstimmung mit der realen Anlage geprüft, bevor sie für Abnahme, Betrieb oder spätere Erweiterung freigegeben werden.
  4. Schritt 4: Funktionsprüfung und technische Abnahme Aus der Funktionsbeschreibung entsteht eine Testmatrix mit Vorbedingungen, Auslöser, erwarteten Telegrammen, sichtbarer Reaktion und Akzeptanzkriterium. Abweichungen werden klassifiziert, nachgebessert und erneut geprüft; erst vollständige Nachweise führen zur Freigabe des jeweiligen Funktionspakets.

Tagesprüfung: Die am 3. Seminartag erstellten Konfigurationen und Unterlagen werden gegen definierte Sollwerte, Telegramme, Zustände und Dokumentationsanforderungen geprüft. Offene Abweichungen werden vor dem nächsten Themenblock eindeutig klassifiziert.

Praxisaufgaben

  1. Übung 1: Eine nicht reagierende Beleuchtungsfunktion anhand einer festgelegten Prüfkette eingrenzen. Die Bearbeitung umfasst Bestandsaufnahme, Zieldefinition, kontrollierte Umsetzung, Funktionsprüfung, Fehlerkorrektur und dokumentierte Wiederholungsprüfung.
  2. Übung 2: Eine blockierte Gruppenkommunikation über Liniengrenzen erkennen und die Filterursache nachweisen. Die Bearbeitung umfasst Bestandsaufnahme, Zieldefinition, kontrollierte Umsetzung, Funktionsprüfung, Fehlerkorrektur und dokumentierte Wiederholungsprüfung.
  3. Übung 3: Doppelte physikalische Adresse und vertauschtes Gerät ohne ungeplante Komplettdownloads korrigieren. Die Bearbeitung umfasst Bestandsaufnahme, Zieldefinition, kontrollierte Umsetzung, Funktionsprüfung, Fehlerkorrektur und dokumentierte Wiederholungsprüfung.
  4. Übung 4: Eine gestörte KNX-IP-Verbindung auf Netzwerk- und KNX-Ebene parallel prüfen. Die Bearbeitung umfasst Bestandsaufnahme, Zieldefinition, kontrollierte Umsetzung, Funktionsprüfung, Fehlerkorrektur und dokumentierte Wiederholungsprüfung.
  5. Übung 5: Ein vollständiges Störungsprotokoll mit Vorher-Nachher-Nachweis erstellen. Die Bearbeitung umfasst Bestandsaufnahme, Zieldefinition, kontrollierte Umsetzung, Funktionsprüfung, Fehlerkorrektur und dokumentierte Wiederholungsprüfung.

Zielgruppe und Voraussetzungen

Zielgruppe: KNX-Systemintegratoren, Inbetriebnahme- und Servicetechniker, Elektrofachkräfte mit KNX-Erfahrung, technische Gebäudeausrüstung und Second- beziehungsweise Third-Level-Support.

Voraussetzungen: Sichere ETS6-Grundkenntnisse, Verständnis von Topologie, Gruppenadressen und Datenpunkttypen sowie praktische Erfahrung bei der Inbetriebnahme mindestens einer KNX-Anlage.

Didaktik und Arbeitsweise

Kurze Fachimpulse werden unmittelbar durch ETS6-Demonstrationen, strukturierte Laboraufgaben und kontrollierte Fehlerfälle vertieft. Für jede Übung werden Ausgangsstand, Prüfkriterien und Dokumentationspflicht vorgegeben. Änderungen erfolgen einzeln und nachvollziehbar; eine Korrektur gilt erst nach Wiederholung des ursprünglichen Tests als bestätigt.

Fachbereichsleitung und Trainerteam

Seminardetails

   
Dauer: 3 Tage ca. 6 h/Tag, Beginn 1. Tag: 10:00 Uhr, weitere Tage 09:00 Uhr
Preis: Öffentlich oder Live Stream: € 1.797 zzgl. MwSt.
Inhaus: € 5.100 zzgl. MwSt.
Teilnehmeranzahl: min. 2 - max. 8
Teilnehmer: KNX-Systemintegratoren, Inbetriebnahme- und Servicetechniker, Elektrofachkräfte mit KNX-Erfahrung, technische Gebäudeausrüstung und Second- beziehungsweise Third-Level-Support.
Voraussetzungen: Sichere ETS6-Grundkenntnisse, Verständnis von Topologie, Gruppenadressen und Datenpunkttypen sowie praktische Erfahrung bei der Inbetriebnahme mindestens einer KNX-Anlage.
Standorte: Stream Live, Inhaus/Firmenseminar, Berlin, Bremen, Darmstadt, Dresden, Erfurt, Essen, Flensburg, Frankfurt, Freiburg, Friedrichshafen, Hamburg, Hamm, Hannover, Jena, Kassel, Köln, Konstanz, Leipzig, Luxemburg, Magdeburg, Mainz, München, Münster, Nürnberg, Paderborn, Potsdam, Regensburg, Rostock, Stuttgart, Trier, Ulm, Wuppertal, Würzburg
Methoden: Vortrag, Demonstrationen, strukturierte ETS6- und Laborübungen, kontrollierte Fehlerfälle und technische Prüflisten
Seminararten: Öffentlich, Webinar, Inhouse, Workshop - Alle Seminare mit Trainer vor Ort, Webinar nur wenn ausdrücklich gewünscht
Durchführungsgarantie: ja, ab 2 Teilnehmern
Sprache: Deutsch - bei Firmenseminaren ist auch Englisch möglich
Seminarunterlage: Dokumentation auf Datenträger oder als Download
Teilnahmezertifikat: ja, selbstverständlich
Verpflegung: Kalt- / Warmgetränke, Mittagessen (wahlweise vegetarisch)
Support: 3 Anrufe im Seminarpreis enthalten
Barrierefreier Zugang: an den meisten Standorten verfügbar
  Weitere Informationen unter + 49 (221) 74740055

Seminartermine

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Seminar Startdatum Enddatum Ort Dauer
Sankt Gallen 3 Tage
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Inhaus / Firmenseminar 3 Tage
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